Die Menschenrechtsabkommen der Vereinten Nationen

Welt­men­schen­rechts­kon­fe­renz

UN-Gebaude-WienZu den Gepflo­gen­hei­ten der Ver­ein­ten Natio­nen gehört die Ver­an­stal­tung von „Welt­gip­feln“, also von Kon­fe­ren­zen der inter­na­tio­na­len Staa­ten­ge­mein­schaft, die dazu die­nen, bestimm­te aktu­el­le The­men von welt­po­li­ti­scher Rele­vanz zu erör­tern und Abkom­men vorzubereiten.Im Rah­men die­ser „Welt­gip­fel“ hat die Ver­ein­ten Natio­nen bis­her zwei­mal eine Welt­kon­fe­renz über Men­schen­rech­te abge­hal­ten:

  • vom 22. April bis 13. Mai 1968 in Tehe­ran die „Inter­na­tio­nal Con­fe­rence on Human Rights“ und
  • vom 14. bis 25 Juni 1993 in Wien die „World Cone­rence on Human Rights“.

Die­se Wie­ner Welt­men­schen­rechts­kon­fe­renz, an der 171 Staa­ten und 813 Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen (NGOs) teil­nah­men, bil­det mit ihrer Abschluss­erklä­rung und dem Wie­ner Akti­ons­pro­gramm („Vien­na Decla­ra­ti­on and Pro­gram­me of Action“) einen Mei­len­stein des Men­schen­rechts­schut­zes in den letz­ten Jah­ren. Eine der Fol­gen die­ser Kon­fe­renz war, dass die UN-Gene­ral­ver­samm­lung in ihrer 48. Ver­samm­lung am 20. Dezem­ber 1993 die Reso­lu­ti­ons 48/141 ver­ab­schie­de­te und damit bei den Ver­ein­ten Natio­nen das Amt eines „Hohen Kom­mis­sars für Men­schen­rech­te“ ein­rich­te­te.

Aber auch inhalt­lich brach­te die Wie­ner Welt­men­schen­rechts­kon­fe­renz ein Kennt­nis der Teil­neh­mer­staa­ten zu ihren men­schen­recht­li­chen Ver­pflich­tun­gen:

I.
1. Die Welt­kon­fe­renz über die Men­schen­rech­te bekräf­tigt das fei­er­li­che Bekennt­nis aller Staa­ten zur Erfül­lung ihrer Ver­pflich­tun­gen zur För­de­rung der all­sei­ti­gen Ach­tung, Ein­hal­tung und Wah­rung aller Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten für alle Men­schen in Über­ein­stim­mung mit der Sat­zung der Ver­ein­ten Natio­nen, dem ande­ren auf die Men­schen­rech­te bezüg­li­chen Instru­men­ten und dem Völ­ker­recht. Der uni­ver­sel­le Cha­rak­ter die­ser Rech­te und Frei­hei­ten steht außer Fra­ge.

Die Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten sind das Geburts­recht aller Men­schen; ihre Wah­rung und För­de­rung ist die vor­ran­gigs­te Pflicht der Regie­run­gen.

4. Die För­de­rung und der Schutz aller Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten hat als prio­ri­tä­re Ziel­set­zung der Ver­ein­ten Natio­nen im Sin­ne ihrer Zwe­cke und Grund­sät­ze, vor allem der inter­na­tio­na­len Zusam­men­ar­beit, zu gel­ten. Im Rah­men die­ser Zwe­cke und Grund­sät­ze ist die För­de­rung und Wah­rung aller Men­schen­rech­te ein legi­ti­mes Anlie­gen der inter­na­tio­na­len Gemein­schaft. …

5. Alle Men­schen­rech­te sind all­ge­mein­gül­tig, unteil­bar, bedin­gen ein­an­der und bil­den einen Sinn­zu­sam­men­hang. Die inter­na­tio­na­le Gemein­schaft muss die Men­schen­rech­te welt­weit in fai­rer und glei­cher Wei­se, auf der­sel­ben Basis und mit dem sel­ben Nach­druck behan­deln. Zwar ist die Bedeu­tung natio­na­ler und regio­na­ler Beson­der­hei­ten und unter­schied­li­cher his­to­ri­scher, kul­tu­rel­ler und reli­giö­ser Vor­aus­set­zun­gen im Auge zu behal­ten, aber es ist die Pflicht der Staa­ten, ohne Rück­sicht auf ihr jewei­li­ges poli­ti­sches, wirt­schaft­li­ches und kul­tu­rel­les Sys­tem alle Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten zu för­dern und zu schüt­zen.

8. Demo­kra­tie, Ent­wick­lung und Ach­tung der Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten bedin­gen und stär­ken ein­an­der. Die Demo­kra­tie beruht auf dem frei zum Aus­druck gebrach­ten Wil­len des Vol­kes, über sei­ne poli­ti­schen, wirt­schaft­li­chen, sozia­len und kul­tu­rel­len Sys­te­me selbst zu bestim­men, und auf sei­ner vol­len Teil­nah­me an allen Aspek­ten sei­nes Lebens. In die­sem Sin­ne soll die För­de­rung und der Schutz der Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten auf natio­na­ler und inter­na­tio­na­ler Ebe­ne umfas­send sein und ohne ein­schrän­ken­de Bedin­gun­gen ver­wirk­licht wer­den. Die inter­na­tio­na­le Gemein­schaft soll die Stär­kung und För­de­rung der Demo­kra­tie, der sozia­len und wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung und der Ach­tung der Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten auf der gan­zen Welt unter­stüt­zen.

15. Die Ach­tung der Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten ohne jeden Unter­schied ist eine Grund­re­gel des inter­na­tio­na­len Rechts auf dem Gebiet der Men­schen­rech­te. Die rasche und umfas­sen­de Besei­ti­gung aller For­men des Ras­sis­mus und der Ras­sen­dis­kri­mi­nie­rung, der Xeno­pho­bie und ver­wand­ter Spiel­ar­ten der Into­le­ranz ist eine vor­ran­gi­ge Auf­ga­be für die inter­na­tio­na­le Gemein­schaft. …

32. Die Welt­kon­fe­renz über die Men­schen­rech­te weist mit Nach­druck dar­auf hin, wie wich­tig es ist, die Uni­ver­sa­li­tät, Objek­ti­vi­tät und Nichts­e­lek­ti­vi­tät der Erör­te­rung von Men­schen­rechts­fra­gen sicher­zu­stel­len.

35. Die vol­le und wirk­sa­me Umset­zung der Maß­nah­men der Ver­ein­ten Natio­nen zur För­de­rung und zum Schutz der Men­schen­rech­te muss dem hohen Wert ent­spre­chend, der den Men­schen­rech­ten auf­grund der Sat­zung der Ver­ein­ten Natio­nen und der Erfor­der­nis­se der von den Mit­glieds­staa­ten ver­an­lass­ten Men­schen­rechts­ak­ti­vi­tä­ten der Ver­ein­ten Natio­nen bei­zu­mes­sen ist. Zu die­sem Zweck wären die Men­schen­rechts­ak­ti­vi­tä­ten der Ver­ein­ten Natio­nen mit ver­mehr­ten Res­sour­cen aus­zu­stat­ten.