Die Menschenrechtsabkommen der Vereinten Nationen

Men­schen­recht auf Was­ser und Sani­tär­ver­sor­gung

UN-VollversammlungRESOLUTION 64/292

Die Gene­ral­ver­samm­lung,

unter Hin­weis auf ihre Reso­lu­tio­nen 54/175 vom 17. Dezem­ber 1999 über das Recht auf Ent­wick­lung, 55/196 vom 20. Dezem­ber 2000, mit der sie das Jahr 2003 zum Inter­na­tio­na­len Jahr des Süß­was­sers erklär­te, 58/217 vom 23. Dezem­ber 2003, mit der sie den Zeit­raum 2005–2015 zur Inter­na­tio­na­len Akti­ons­de­ka­de „Was­ser – Quel­le des Lebens“ erklär­te, 59/228 vom 22. Dezem­ber 2004, 61/192 vom 20. Dezem­ber 2006, mit der sie das Jahr 2008 zum Inter­na­tio­na­len Jahr der sani­tä­ren Grund­ver­sor­gung erklär­te, und 64/198 vom 21. Dezem­ber 2009 über die umfas­sen­de Halb­zeit­über­prü­fung der Durch­füh­rung der Inter­na­tio­na­len Akti­ons­de­ka­de „Was­ser – Quel­le des Lebens“, die Agen­da 21 vom Juni 1992, die Habi­tat-Agen­da von 1996, den 1977 von der Was­ser­kon­fe­renz der Ver­ein­ten Natio­nen ver­ab­schie­de­ten Akti­ons­plan von Mar del Pla­ta und die Rio-Erklä­rung über Umwelt und Ent­wick­lung vom Juni 1992,

sowie unter Hin­weis auf
die All­ge­mei­ne Erklä­rung der Men­schen­rech­te,
den Inter­na­tio­na­ler Pakt über wirt­schaft­li­che, sozia­le und kul­tu­rel­le Rech­te,
den Inter­na­tio­na­len Pakt über bür­ger­li­che und poli­ti­sche Rech­te,
das Inter­na­tio­na­le Über­ein­kom­men zur Besei­ti­gung jeder Form von Ras­sen­dis­kri­mi­nie­rung,
das Über­ein­kom­men zur Besei­ti­gung jeder Form von Dis­kri­mi­nie­rung der Frau,
das Über­ein­kom­men über die Rech­te des Kin­des,
das Über­ein­kom­men über die Rech­te von Men­schen mit Behin­de­run­gen
und das Gen­fer Abkom­men vom 12. August 1949 zum Schut­ze von Zivil­per­so­nen in Kriegs­zei­ten,

fer­ner unter Hin­weis auf alle frü­he­ren Reso­lu­tio­nen des Men­schen­rechts­rats über die Men­schen­rech­te und den Zugang zu ein­wand­frei­em Trink­was­ser und Sani­tär­ver­sor­gung, nament­lich die Rats­re­so­lu­tio­nen 7/22 vom 28. März 2008 und 12/8 vom 1. Okto­ber 2009 betref­fend das Men­schen­recht auf ein­wand­frei­es und sau­be­res Trink­was­ser und Sani­tär­ver­sor­gung, die All­ge­mei­ne Bemer­kung Nr. 15 (2002) des Aus­schus­ses für wirt­schaft­li­che, sozia­le und kul­tu­rel­le Rech­te über das Recht auf Was­ser (Arti­kel 11 und 12 des Inter­na­tio­na­len Pak­tes über wirt­schaft­li­che, sozia­le und kul­tu­rel­le Rech­te) und den Bericht der Hohen Kom­mis­sa­rin der Ver­ein­ten Natio­nen für Men­schen­rech­te über Umfang und Inhalt der aus den inter­na­tio­na­len Men­schen­rechts­über­ein­künf­ten her­vor­ge­hen­den ein­schlä­gi­gen Men­schen­rechts­ver­pflich­tun­gen in Bezug auf den glei­chen Zugang zu ein­wand­frei­em Trink­was­ser und Sani­tär­ver­sor­gung sowie den Bericht der Unab­hän­gi­gen Exper­tin für Men­schen­rechts­ver­pflich­tun­gen in Bezug auf den Zugang zu ein­wand­frei­em Trink­was­ser und sani­tä­rer Grund­ver­sor­gung,

tief besorgt dar­über, dass etwa 884 Mil­lio­nen Men­schen kei­nen Zugang zu ein­wand­frei­em Trink­was­ser und mehr als 2,6 Mil­li­ar­den kei­nen Zugang zu einer sani­tä­ren Grund­ver­sor­gung haben, und höchst beun­ru­higt dar­über, dass jedes Jahr infol­ge von was­ser- und sani­tär­be­ding­ten Krank­hei­ten etwa 1,5 Mil­lio­nen Kin­der unter 5 Jah­ren ster­ben und 443 Mil­lio­nen Schul­ta­ge ver­lo­ren gehen,

in der Erkennt­nis, wie wich­tig der glei­che Zugang zu ein­wand­frei­em und sau­be­rem Trink­was­ser und zu Sani­tär­ver­sor­gung als fes­ter Bestand­teil der Ver­wirk­li­chung aller Men­schen­rech­te ist,

in Bekräf­ti­gung der Ver­ant­wor­tung der Staa­ten für die För­de­rung und den Schutz aller Men­schen­rech­te, die all­ge­mein­gül­tig und unteil­bar sind, ein­an­der bedin­gen und mit­ein­an­der ver­knüpft sind und welt­weit in fai­rer und glei­cher Wei­se, gleich­be­rech­tigt und gleich­ge­wich­tig behan­delt wer­den müs­sen,

ein­ge­denk der von der inter­na­tio­na­len Gemein­schaft ein­ge­gan­ge­nen Ver­pflich­tung, die Mill­en­ni­ums-Ent­wick­lungs­zie­le voll­stän­dig zu errei­chen, und in die­sem Zusam­men­hang beto­nend, dass die Staats- und Regie­rungs­chefs ent­schlos­sen sind, wie in der Mill­en­ni­ums-Erklä­rung der Ver­ein­ten Natio­nen zum Aus­druck gebracht, bis zum Jahr 2015 den Anteil der Men­schen um die Hälf­te zu sen­ken, die ein­wand­frei­es Trink­was­ser nicht errei­chen oder es sich nicht leis­ten kön­nen, und, wie im Durch­füh­rungs­plan des Welt­gip­fels für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung („Durch­füh­rungs­plan von Johan­nes­burg“) ver­ein­bart, den Anteil der Men­schen um die Hälf­te zu sen­ken, die kei­nen Zugang zu grund­le­gen­den sani­tä­ren Ein­rich­tun­gen haben,

  1. erkennt das Recht auf ein­wand­frei­es und sau­be­res Trink­was­ser und Sani­tär­ver­sor­gung als ein Men­schen­recht an, das unver­zicht­bar für den vol­len Genuss des Lebens und aller Men­schen­rech­te ist;
  2. for­dert die Staa­ten und die inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­tio­nen auf, im Wege der inter­na­tio­na­len Hil­fe und Zusam­men­ar­beit Finanz­mit­tel bereit­zu­stel­len, Kapa­zi­tä­ten auf­zu­bau­en und Tech­no­lo­gi­en wei­ter­zu­ge­ben, ins­be­son­de­re für die Ent­wick­lungs­län­der, um die Anstren­gun­gen zur Bereit­stel­lung von ein­wand­frei­em, sau­be­rem, zugäng­li­chem und erschwing­li­chem Trink­was­ser und zur Sani­tär­ver­sor­gung für alle zu ver­stär­ken;
  3. begrüßt den Beschluss des Men­schen­rechts­rats, die Unab­hän­gi­ge Exper­tin für Men­schen­rechts­ver­pflich­tun­gen in Bezug auf den Zugang zu ein­wand­frei­em Trink­was­ser und sani­tä­rer Grund­ver­sor­gung zu ersu­chen, der Gene­ral­ver­samm­lung einen jähr­li­chen Bericht vor­zu­le­gen, und legt ihr nahe, ihr Man­dat auch wei­ter­hin in allen Aspek­ten wahr­zu­neh­men und in Abstim­mung mit allen zustän­di­gen Orga­ni­sa­tio­nen, Fonds und Pro­gram­men der Ver­ein­ten Natio­nen in ihrem der Ver­samm­lung auf ihrer sechs­und­sech­zigs­ten Tagung vor­zu­le­gen­den Bericht auf die haupt­säch­li­chen Her­aus­for­de­run­gen für die Ver­wirk­li­chung des Men­schen­rechts auf ein­wand­frei­es und sau­be­res Trink­was­ser und Sani­tär­ver­sor­gung sowie auf deren Aus­wir­kun­gen auf die Errei­chung der Mill­en­ni­ums­Ent­wick­lungs­zie­le ein­zu­ge­hen.